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Digitale Familienassistenten: Individuelle Online-Information für Eltern

Wie beantrage ich Elternzeit? Wie viel Elterngeld steht mir zu? Antworten bekommen Nutzerinnen und Nutzer heute in allgemeinen Texten. In Zukunft erhalten sie personalisierte Antworten der Bundesregierung: vom Chatbot Familie und dem verbesserten Elterngeldrechner. Am 17.11.2023 hat sich der Beirat Digitalstrategie darüber informiert.

Wie sollen digitale Familienassistenten in Zukunft Eltern helfen? 

Eltern haben tausend Fragen. Neben der richtigen Windelgröße und dem besten Babybett interessieren sich Mütter und Väter auch für Finanzielles und Unterstützungsangebote für Familien: Wie viel Elterngeld gibt es für unsere Zwillinge und was bedeutet das Elternsein bei der Steuererklärung? Diese Informationen gibt es heute schon – in allgemeinen Texten auf dem Familienportal oder vier Tage pro Woche am Servicetelefon. Aber wäre es nicht praktisch, auch nach Feierabend oder am Sonntagvormittag per Smartphone individuelle Antworten von der Bundesregierung zu bekommen? 

Das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) arbeitet deshalb an digitalen Familienassistenten. Dahinter verbergen sich unter anderem zwei Online-Werkzeuge, die 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen werden. Zum einen der Chatbot Familie: Er wird Fragen automatisiert verstehen und beantworten. Zum anderen der Elterngeldrechner: Er liefert individuelle Ergebnisse und weist den direkten Weg zum Online-Antrag. 

Was kann der Chatbot Familie? 

Der Chatbot Familie soll konkrete individuelle Fragen von Bürgerinnen und Bürgern beantworten. Er soll perspektivisch auch dann funktionieren, wenn die Nutzenden Deutsch nicht auf muttersprachlichem Niveau sprechen und ebenfalls Informationen in anderen Sprachen anbieten.  

Mutterschaftsgeld, Kinderzuschlag und künftig die Kindergrundsicherung: Es ist schwierig, die vorhandenen Familienleistungen zu verstehen. Die jüngsten Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) können hier helfen: Dank KI soll der Chatbot Familie verlässliche, verständliche und individuelle Informationen liefern. Die Idee hinter dem Chatbot ist, dass nicht die Bürgerinnen und Bürger lernen müssen, sondern die Verwaltung erklären muss – indem sie ein digitales Werkzeug wie den Chatbot zur Verfügung stellt.  

Wann kommt der Chatbot Familie? 

Der Chatbot Familie soll im Jahr 2024 in Form eines Piloten erscheinen und nach Möglichkeit 2025 in einen regulären Betrieb gehen. Die erste Pilotphase des Projekts befindet sich im Abschluss, die zweite Pilotphase steht in den Startlöchern. Rund 1,4 Millionen Euro hat die Bundesregierung bis Mitte Oktober 2023 aufgewendet. Das Projekt hat mit Methoden des maschinellen Lernens ein erstes System entwickelt. Das BMFSFJ steuert das Vorhaben und arbeitet eng mit einer Chatbot-Fachredaktion beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) zusammen.  

In der zweiten Pilotphase soll das System auf eine neue Architektur überführt werden. Diese beruht auf einem sogenannten großen Sprachmodell, englisch Large Language Model (LLM). So bezeichnet man ein mit sehr vielen Daten trainiertes Modell, das Sprache verstehen und Antworten in natürlicher Sprache ausgeben kann. Ziel ist es, einen Chatbot zu entwickeln, der auf Basis eines eigenen Wissenspools des BMFSFJ korrekt antwortet und sich keine Informationen ausdenkt.  

Was bietet der Elterngeldrechner? 

Mit dem Elterngeldrechner können Mütter und Väter ihre Elterngeldmonate planen und berechnen, wie viel Elterngeld ihnen zusteht. Wer möchte, kann seine Angaben anschließend direkt in das Portal ElterngeldDigital übertragen lassen, um den Elterngeld-Antrag zu erstellen. Auch Profis in Beratungsstellen nutzen den Rechner. Er ist die meistgenutzte digitale Anwendung des BMFSFJ. Der Rechner muss regelmäßig an geänderte Rechtsgrundlagen im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz sowie an die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer angepasst werden. 

Wie soll der Elterngeldrechner besser werden? 

Ab 2024 übernimmt die Digitalservice GmbH des Bundes die Weiterentwicklung und Betreuung des Elterngeldrechners. Sie wird zunächst Verbesserungen umsetzen, die bereits 2022 im Rahmen des Tech4Germany-Fellowships erarbeitet wurden. Die Fellows und das BMFSFJ entwickelten dort Ideen, um Paare besser bei der partnerschaftlichen Aufteilung des Elterngeldes zu unterstützen. Anschließend ist über weiteres Entwicklungspotenzial zu entscheiden. 

Welchen Herausforderungen müssen sich die digitalen Familienassistenten stellen? 

Beim Chatbot Familie stehen die Projektbeteiligten vor der Herausforderung, eine Architektur unter Nutzung eines LLM und einer eigenen Wissensdomäne zu entwickeln, zu trainieren und fortlaufend anzupassen. Bestehende KI-Modelle neigen teilweise zu selbstbewussten Antworten, die aber faktisch falsch sind. Diese sogenannten Halluzinationen sollten in einem Chatbot der Bundesregierung vermieden werden. Zugleich muss er Barrierefreiheit, Datenschutz und Datensicherheit sowie IT-Sicherheit gewährleisten.  

Dabei soll die Architektur so entwickelt werden, dass die Erkenntnisse für weitere Anwendungen genutzt werden können oder der Chatbot auf weitere Themen ausgeweitet werden kann. Auch deshalb regt das Team im BMFSFJ an, dass die Bundesregierung einen Rahmenvertrag zu LLMs abschließt oder ein solches Modell selbst hostet. 

Für den Elterngeldrechner liegt die größte Herausforderung in der Finanzierung: Im Haushaltsjahr 2024 sind rund 665.000 Euro für die Weiterentwicklung vorgesehen. Weitere Hürden liegen in der Natur der Sache: Das Elterngeld ist eine rechtlich und administrativ komplexe Leistung – und ein Werkzeug wie der Rechner muss alle gesetzlichen Änderungen berücksichtigen, um am Ende die korrekten Zahlen zu liefern. 

 Welche Hinweise hat der Beirat für das Projektteam? 

  • Beirat sagt: „Die digitalen Familienassistenten bilden zusammen ein Leuchtturmprojekt mit großer praktischer Relevanz. Beide Komponenten treffen auf direkten Bedarf in der Zielgruppe junger Familien und unterstützen dort eine positive Sicht auf den Digitalisierungsfortschritt beim Bund. Während der adaptive Ausbau des Elterngeldrechners eher evolutionären Charakter hat, bringt die Implementierung der Chatbots einen sichtbaren Modernisierungsschub für (werdende) Eltern. Eine erfolgreiche KI-Implementierung kann hier Vorbild für die Digitalisierungsinitiativen aller anderen Ressorts bei der zeitgemäßen Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern sein.“ 

    Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) antwortet: „Das BMFSFJ dankt dem Beirat herzlich für die positive und konstruktive Rückmeldung. Unser Ziel ist es, Digitalisierung so zu nutzen, dass sie zu einem spürbaren Mehrwert bei den Bürgerinnen und Bürgern führt. Wir gehen davon aus, dieses Ziel mit den digitalen Familienassistenten zu erreichen. Dabei ist uns bewusst, dass solche Lösungen nie ‚fertig‘ sind, sondern dass sie iterativ immer weiterentwickelt und verbessert werden müssen.“ 

  • Beirat sagt: „Angesichts der Praxisrelevanz sollten die personellen Ressourcen gefestigt und die finanzielle Ausstattung gesichert werden. Der Chatbot kann beispielhafter Orientierungspunkt für KI-gestützte Kommunikationsassistenten in den Internetangeboten sämtlicher Bundesministerien sein und sollte daher auf stabiler Grundlage weiterentwickelt werden.“ 

    BMFSFJ antwortet: „Grundsätzlich ist natürlich auch die Finanzierung und die personelle Ausstattung der digitalen Familienassistenten nicht unabhängig von der allgemeinen haushaltspolitischen Lage. Die Weiterentwicklung des Elterngeldrechners mit Unterstützung eines innovativen Dienstleisters hat jedoch auch für das BMFSFJ einen hohen Stellenwert. Das gilt insbesondere auch für die Entwicklung des Chatbots Familie.“ 

  • Beirat sagt: „Die digitalen Familienassistenten gehen beim Grundrechtsschutz der Nutzenden mit gutem Beispiel voran. Expertise zum Datenschutz wurde gleich zu Projektbeginn eingeholt und das Prinzip der Datenminimierung wird beachtet. So speichert der Elterngeldrechner keine Informationen von Nutzenden und der Chatbot kommt sogar ganz ohne Personendaten aus.“

    BMFSFJ antwortet: „Expertise zum Datenschutz wird auch im weiteren Verlauf der Projekte eingebunden werden. Dies ist insbesondere beim Projekt Chatbot Familie wichtig, da sich durch Anpassungen an der Architektur oder durch die Auswahl der Modelle auch regelmäßig neue datenschutzrechtliche Fragestellungen ergeben können, die nicht von Anfang an klar waren. Die Generierung dieses Erfahrungswissens ist zentraler Bestandteil der aktuell anlaufenden Phase des Chatbots.“