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Digitaler Staat

Mit Algorithmen für die Sicherheit Deutschlands: Digitales Gefechtsfeld

Auch die Bundeswehr macht sich die Digitalisierung zunutze: Schnelle Auswertung von Daten und Künstliche Intelligenz (KI) helfen, um in komplexer werdenden Konflikten schneller und besser entscheiden zu können. Das Vorhaben „Digitales Gefechtsfeld“ war am 30.06.2023 Thema im Beirat Digitalstrategie Deutschland.

Militärische Konflikte entscheiden sich zunehmend auch im digitalen Raum 


Nicht immer gewinnt der vermeintlich Stärkere – sondern häufiger derjenige, der die klügeren Entscheidungen trifft. Beim Militär ist ein schnelles, umfassendes und genaues Lagebild gefragt. Die Bundeswehr entwickelt ihre Fähigkeiten in diesen Bereichen zunehmend mit Hilfe von Softwarelösungen weiter und gewinnt damit Informations- und Entscheidungsvorsprung gegenüber potenziellen Gegnern.  

Die dadurch gewonnene Überlegenheit in Konflikten schützt nicht nur das Leben der eigenen Soldatinnen und Soldaten, sondern gewährleistet auch die Sicherheit Deutschlands. Zusammengefasst wird dies unter dem Stichwort Digitales Gefechtsfeld. Es ist daher – nicht nur aufgrund der jüngsten Ereignisse – ein Leuchtturmprojekt innerhalb der Digitalstrategie Deutschland und wird vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) verantwortet.

Bundeswehr benötigt digitalisierte Ausrüstung und digitales Fachwissen 

Beim Digitalen Gefechtsfeld geht es nicht nur um die Beschaffung neuer, digitalisierter Ausrüstung in Form von Schiffen, Flugzeugen und gepanzerten Fahrzeugen. Die Bundeswehr wird zunehmend auch durch Software und IT neue Fähigkeiten entwickeln müssen. Sie benötigt dazu mehr Spezialistinnen und Spezialisten aus diesem Bereich. Zudem muss sie neue Technologien wie KI schneller als bisher adaptieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent nutzen, um ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern. 

Dass sich heutzutage die Zeiten schneller ändern, ist nicht nur eine Phrase, sondern in der Verteidigungspolitik leider eine Tatsache. Mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sind auch für uns neue Bedrohungen in den Fokus gerückt.  

Was beinhaltet das Projekt „Digitales Gefechtsfeld“? 

Die Bundeswehr will durch Digitalisierung schneller werden, sowohl im konkreten Einsatz als auch bei der Entwicklung neuer Fähigkeiten. Der Schlüssel dafür sind KI und die richtige Software. Die Bundeswehr verfügt über tausende Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und Gerätschaften. Das Digitale Gefechtsfeld setzt voraus, dass all diese Systeme miteinander und vernetzt zum Einsatz kommen. Dieser Herausforderung stellt sich die Bundeswehr mithilfe von Software, um den Gefechtswert der Waffensysteme, die oft jahrzehntelang im Einsatz sind, nachhaltig zu erhöhen. Durch diesen Fähigkeitsgewinn kann sie potenziellen Gegnern überlegen sein.  

Software kann militärische Fähigkeiten nachweislich innerhalb kurzer Zeit optimieren. Zudem kann Software kontinuierlich erweitert und erneuert werden – und dies auch während einer laufenden Mission. Einzelne Schwerpunkte der Digitalisierung der Streitkräfte beinhalten: 

  • Die Bundeswehr baut Kapazitäten und Fähigkeiten zur Analyse von Daten auf: vorhandene Daten und solche, die im Einsatz entstehen, können so besser genutzt werden. 

  • Bestehende Prozesse werden digitalisiert und neu gedacht: verschiedene Informationen lassen sich schneller zu einem umfassenden Lagebild zusammensetzen. Generell werden mehr der durch Kräfte der Bundeswehr erfassten Daten verarbeitet. Die Akteure auf dem Gefechtsfeld vernetzen sich miteinander – von aufklärenden bis zu kämpfenden Einheiten. Damit wird die sogenannte Wirkungskette optimiert und die Durchsetzungsfähigkeit deutscher Streitkräfte erhöht. 

  • Der Mensch wird von nachrangigen Aufgaben entlastet: Soldatinnen und Soldaten können sich auf das Wesentliche konzentrieren. Sie erhalten schneller ein umfassenderes Lagebild. Auf dieser deutlich verbesserten Grundlage treffen Soldatinnen und Soldaten dann ihre bestens vorbereiteten Entscheidungen.

Welche Meilensteine gibt es auf dem Weg zum Digitalen Gefechtsfeld? 

Der Zeitplan reicht bis Ende 2026: 

  • Meilenstein 1 wurde bis Ende 2022 erreicht: Die Bundeswehr hat die Aufklärung und die Erfassung von Zielen für ein erstes System des Heeres mit Hilfe von Software und KI verbessert. 

  • Meilenstein 2 wurde bereits Mitte 2023 erreicht: Die Bundeswehr hat die genannten Fähigkeiten auf eine Drohne und umfangreiche Aufklärungsmittel erweitert. 

  • Die Meilensteine 3 und 4 zielen darauf ab, bis Mitte bzw. Ende 2024 diese verbesserten Fähigkeiten in einem Fahrzeug zu realisieren und sie – durch das Zusammenführen von Aufklärungsdaten – in ein digitales System zum Informationsaustausch auf dem Gefechtsfeld zu integrieren. 

  • Meilensteine 4 und 5 umfassen im Jahr 2025 einen ersten flächendeckenden Einsatz dieser Technologien in der Bundeswehr. Außerdem erfolgt die Ausweitung der Softwareverbesserungen auch auf unbemannte Fahrzeuge. 

  • Meilensteine 6 und 7 im Jahr 2026 streben die Herstellung der vollen Einsatzreife für das scharfe Gefecht an. Danach sind Weiterentwicklungen auf Basis der jeweils verfügbaren Technologie geplant. 

Welchen Herausforderungen muss sich das Projekt „Digitales Gefechtsfeld“ stellen? 

Für das Projekt stehen aktuell 53 Millionen Euro aus dem Sondervermögen der Bundeswehr zur Verfügung. Damit wird der Einstieg gewährleistet, um auf Basis von Software neue Fähigkeiten zu entwickeln. Die weitere Finanzierung ist danach aus dem Verteidigungshaushalt vorgesehen. 

Das Projekt erhält die notwendige industrielle Unterstützung und bindet natürlich auch bundeswehreigene Fachexpertise ein. Wie auch andere Bereiche sieht die Bundeswehr sich hier aktuell der Herausforderung gegenüber, langfristig ausreichend IT-Fachpersonal zu gewinnen. 

KI und Krieg – wie reagiert die Bundeswehr auf ethische Fragen? 

Künstliche Intelligenz ist als Begriff relativ neu – die Diskussion über ihren Einsatz jedoch bereits weit fortgeschritten. Die Bundeswehr orientiert sich über die Prinzipien des Humanitären Völkerrechts hinaus an der Position der Datenethikkommission der Bundesregierung sowie den Vorgaben der NATO. So stellt die Bundeswehr den Einsatz ihrer Waffensysteme transparent und unter höchsten ethischen Standards sicher. 

Der Einsatz letaler autonomer Waffensysteme ist völkerrechtlich verboten und wird durch die Bundeswehr auch nicht angestrebt. Mit letalen autonomen Waffensystemen sind Waffen gemeint, die mittels KI oder anderer Software ihre Umgebung wahrnehmen, bewerten und ohne menschliche Kontrolle selbstständig die Entscheidung zum Waffeneinsatz treffen. Ein Waffensystem darf aus Sicht der Bundeswehr solche Entscheidungen aber niemals allein treffen.  

Der Mensch ist und bleibt bei der Bundeswehr der verantwortliche Entscheidungsträger. Waffensysteme werden bei der Bundeswehr auch weiterhin so gestaltet, dass für den verantwortlichen Menschen die Gründe für die Entscheidungsvorschläge einer KI nachvollziehbar und transparent sind, damit er bestmöglich informiert handeln kann.

Wie der Beirat das Digitale Gefechtsfeld bewertet

Die Mitglieder des Beirats Digitalstrategie haben sich die Fortschritte des Projekts angesehen und anschließend gemeinsame Statements formuliert. Das BMVg reagiert darauf:

  • Beirat sagt: „Die Konflikte von Morgen können nicht ohne den Einsatz von moderner Technologie gedacht und erfolgreich bestritten werden. Die Bundeswehr kann daher auf die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz und Software nicht verzichten. So kann eine unnötige Gefährdung der eigenen Soldatinnen und Soldaten reduziert und auch die Gefahr für Leben und Gesundheit Unbeteiligter (sogenannte Kollateralschäden) verringert werden.“

    BMVg antwortet: „Aus Sicht der Streitkräfte müssen Fähigkeiten mittels Software verbessert werden, um weiterhin auf dem Gefechtsfeld durchsetzungsfähig zu sein. Wer nicht digitalisiert, der verliert den entscheidenden Informationsvorsprung gegenüber potenziellen Gegnern.“

  • Beirat sagt: „Die Digitalisierung und der Einsatz moderner Technologien sind kein Selbstzweck. Mit ihrer Hilfe kann die Bundeswehr konkrete Fähigkeiten verbessen. Das Leuchtturmprojekt Digitales Gefechtsfeld stellt sich der Herausforderung, moderne Software und neue Technologien in vorhandene Systeme (Flugzeuge, Schiffe und Fahrzeuge an Land) zu integrieren. Das ermöglicht es unter anderem verschiedene Akteure und Waffensysteme auf dem Gefechtsfeld miteinander zu vernetzen. Darüber hinaus lassen sich damit gesammelte Informationen viel schneller zu einem umfassenden Lagebild zusammensetzen.“

    BMVg antwortet: „Die Bundeswehr nennt diesen Ansatz ‚Software Defined Defence‘. In der Vergangenheit wurden Fahrzeuge und die dazugehörige Software zusammen für eine definierte Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten betrieben. Neue Funktionen erforderten in der Regel neue Hardware. Diese feste Kopplung soll mit dem Ansatz ‚Software Defined Defence‘ aufgebrochen werden. Auf einem bereits vorhandenen Waffensystem wird nun, wie bei einem Smartphone, ein neues Softwareupdate installiert. Damit stehen auf dieser Plattform neue Funktionen und Möglichkeiten zur Verfügung, ohne dass ein komplexes neues Waffensystem entwickelt und beschafft werden muss. Ein so vernetztes und jederzeit aktualisierbares Waffensystem schafft die Voraussetzung für ein schnell verfügbares und umfassendes Lagebild.“

  • Beirat sagt: „Es ist zu begrüßen, dass im Rahmen der geplanten Maßnahmen schon vorhandene zivile KI-Entwicklungen genutzt werden. Es sollte weiterhin darauf geachtet werden, die ethischen Aspekte des KI-Einsatzes in Bezug auf unterschiedliche Anwendungen differenziert zu beleuchten.“

    BMVg antwortet: „Die Bundeswehr betreibt keine Grundlagenforschung für den Einsatz von KI. Vielmehr muss sie die zivilen Entwicklungen für sich nutzbar machen. Für die Bundeswehr sind dabei die demokratischen Grundwerte und Prinzipien von zentraler Bedeutung, die in nationalen und internationalen Vorgaben verankert sind. Bei aller Digitalisierung muss weiterhin der Mensch Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür tragen.“