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Mit Daten unsere Umwelt schützen: Die Suchmaschine umwelt.info entsteht

Daten können uns vieles erklären – auch den Zustand unserer Umwelt. Mit umwelt.info gibt es bald einen zentralen Zugang zu den deutschen Umwelt- und Naturschutzdaten. Das erleichtert nicht nur die Suche, sondern schafft für Anbieter auch Anreize zum Teilen digitaler Daten.

Status quo: Umweltdaten liegen verstreut an vielen Orten

Wie steht es um die deutschen Badegewässer? Wer eine Antwort auf diese Frage sucht, findet sehr, sehr viele Antworten. Auf 16 Internetseiten der Bundesländer liegen Messdaten in unterschiedlichen Darstellungen. Die Europäische Umweltagentur liefert auf einer eigenen Seite etwas weniger detaillierte Daten zu knapp 2.300 deutschen Badegewässern. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde betreibt ein Geoportal und wer noch weitersucht, findet den Zentralen Informationsknoten Wasserwirtschaft Deutschland (Wasser-DE) oder das GEMStat-Datenportal der Vereinten Nationen.

Die Menge der Möglichkeiten, sich über dieses Thema zu informieren, steht beispielhaft für den deutschen Umweltdaten-Dschungel. Das neue Angebot umwelt.info soll den Weg durch dieses Dickicht weisen: Das Umweltbundesamt entwickelt eine nutzerfreundliche Suchmaschine, die zur ersten Anlaufstelle für Fragen aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich werden soll. Dieses Vorhaben ist so wichtig, dass es zu einem Leuchtturmprojekt in der Digitalstrategie Deutschland erklärt wurde. Am 24. Februar 2023 wird das Projekt im Beirat Digitalstrategie vorgestellt.

Was soll das Portal umwelt.info bieten?

Das entstehende Onlineportal umwelt.info wird existierende Angebote nicht ersetzen, sondern die Fülle an Informationen bündeln. Dazu gehören Datensätze ebenso wie Berichte, Forschungsergebnisse, Gutachten, Bildungsmaterialien, Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Förderprogramme und Verwaltungsverfahren. Das Portal soll eine Metadatensuche beinhalten, die viele Einzelteile zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Künftige Nutzerinnen und Nutzer sollen sich beispielsweise ein umfassendes Bild über die Qualität der deutschen Badegewässer machen können, ohne unzählige Internetseiten von Hand durchsuchen zu müssen.

umwelt.info will möglichst alle Datenquellen vertrauenswürdiger Datenlieferanten anbinden. Verwaltungen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Organisationen und auch fachkundige Bürgerinnen und Bürger („Citizen Science“) liefern Informationen zu Umwelt- und Naturschutz. Bis zum Jahr 2025 soll umwelt.info rund 300 Datenquellen anhand ihrer Metadaten einbinden – so lautet das Ziel in der Digitalstrategie Deutschland.

Wer profitiert von dem neuen Onlineangebot?

Profitieren werden alle, die mit Umweltdaten arbeiten oder sich für Naturschutz interessieren: Verwaltung und Wissenschaft, Lehrkräfte und die Presse, Unternehmen und Verbände sowie Politik und Naturschutzorganisationen können dann bessere, datenbasierte Entscheidungen treffen. Auch für Bürgerinnen und Bürger wird der Zugang zu Wissen über die Umwelt erleichtert – nicht zuletzt durch verständliche Aufbereitung komplizierter Inhalte von der Redaktion.

Gleichzeitig motiviert umwelt.info auch die Bereitsteller von Daten: Für das Portal müssen Daten auch nutzbar sein – und nicht nur in PDF-Dateien zum Herunterladen angeboten werden. Das umwelt.info-Team wird Besitzer von Daten beraten, damit sie zu Bereitstellern werden. Das stärkt das Prinzip offener Daten und befördert den Open-Data-Gedanken. Nebenbei entlastet es auch die Bereitsteller, wenn Fachleute alle Informationen online finden, statt Datensätze einzeln – per Post oder E-Mail – bei Verwaltungen anzufragen.

Darauf aufbauend können weitere Innovationen für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz entstehen. Wenn Daten umfassend digital verfügbar und auffindbar sind, kann auch Künstliche Intelligenz mit ihnen arbeiten und neues Wissen generieren. Wichtig dabei: Auch das Portal selbst soll von Beginn an den geringstmöglichen ökologischen Fußabdruck haben.

Wie weit fortgeschritten ist die Umsetzung von umwelt.info?

Im Jahr 2023 wird umwelt.info greifbar: Nach Machbarkeitsstudie, Konzeption und Prototyp soll Ende des Jahres eine Basisversion online gehen. Das Team erschließt zunächst die Datenquellen von Bundes- und Landesbehörden und nutzt eine Entwicklungsumgebung zum Aufbau der Projektinfrastruktur, die vollständig in der Cloud liegt. Das alles geschieht nicht hinter verschlossenen Türen: umwelt.info arbeitet nach dem Open-Source-Prinzip und stellt seinen Code öffentlich zur Verfügung. Hinzukommen wird ein Content-Management-System für eine Redaktion, die zu den Datenschätzen und über die Datenverfügbarkeit in Deutschland eigene Inhalte erstellt.

Das Team bezieht derweil seinen Standort in Merseburg. Hier befindet sich das neue Nationale Zentrum für Umwelt- und Naturschutzinformationen des Umweltbundesamts, dessen Projekt umwelt.info ist. Es ist langfristig angelegt: Bis 2038 stehen 74 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregion Mitteldeutsches Revier zur Verfügung. Ende Februar 2023 waren 5 der 25 Stellen besetzt, weitere Bewerbungsverfahren laufen.

Welche Fragen sind noch offen?

Neben manchen Umsetzungsfragen sind auch noch Stellen offen. Insbesondere Data Scientists sowie Informatikerinnen und Informatiker sind sehr umworben auf dem Arbeitsmarkt. Über den Beirat Digitalstrategie will umwelt.info auch Kontakt zu anderen Projekten knüpfen: Welche Schnittstellen gibt es, wie gelingt die Vernetzung zwischen Leuchtturmprojekten oder mit dem künftigen Dateninstitut? Das Projektteam diskutiert mit den Fachleuten im Beirat außerdem, wie es die Open-Data-Kultur in Deutschland fördern kann.

Was denkt der Beirat – und wie reagieren BMUV und UBA?

  • Beirat sagt: „Das Portal umwelt.info ist ein wichtiger Baustein, um datenbasierte Analysen im Themenfeld Umwelt- und Naturschutz vornehmen zu können. Die Bündelung von Datensätzen aller föderaler Ebenen sowie die geplante Anbindung europäischer Daten mit einem Open-Data-Ansatz ist daher zu begrüßen. Auch die Möglichkeit zur Einbindung in Data Spaces sollte gewährleistet werden, um eine möglichst breite Nutzbarkeit zu ermöglichen. Die Definition von standardisierten Metadaten hoher Qualität ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg.“

    Bundesumweltministerium (BMUV) und Umweltbundesamt (UBA) antworten: „Das Projekt wird das zersplitterte Informations- und Datenangebot mit Umwelt- und Naturschutzbezug in Deutschland bündeln. Die Anbindung der Datenquellen fördert und unterstützt Datenhaltende in ihren Open-Data-Strukturen. Die intelligente Metadatensuche von umwelt.info wird existierende Daten und Informationen besser auffindbar machen. Standardisierte Schnittstellen ermöglichen weitere Verarbeitungsschritte wie die Einbindung in Data Spaces. Der Nutzen standardisierter Metadaten wird durch deren kontinuierliche Qualitätssicherung besonders sichtbar. Das Portal stellt sich auch der Herausforderung, bestehende Datenschätze mit fehlender oder lückenhafter Metadatenabdeckung zu heben.“

  • Beirat sagt: „Das Portal sollte mit dem öffentlichen Launch nicht mehr zu lange warten und sich danach agil weiterentwickeln können. Wichtig für den Erfolg des Portals wird es sein, potenzielle Nutzer:innen-Gruppen frühzeitig anzusprechen und ihre Bedarfe in die Entwicklung zu integrieren.“

    BMUV und UBA antworten: „Das Portal umwelt.info soll Ende des Jahres 2023 online gehen. Derzeit wird ein prototypischer Metadatensuchindex entwickelt. Um Bedarfe frühzeitig zu erheben, dürfen Datenbereitsteller und Nutzer:innen auch den Prototyp evaluieren. Inhalte und Gestaltung der Website werden derzeit vorbereitet. Niedrigschwellige Feedbackmechanismen für Nutzer:innen der Website sind fester Bestandteil der Planungen.“

  • Beirat sagt: „Eine große Herausforderung besteht darin, potenziellen Datenbereitsteller:innen, insbesondere auf Landes- und kommunaler Ebene, Anreize für das Datenteilen zu geben. Hier braucht es deutlich mehr Unterstützung, Beratung und Überzeugungsarbeit.“

    BMUV und UBA antworten: „Zusammen mit Datenbereitsteller:innen werden Herausforderungen für eine öffentliche Datenverfügbarkeit identifiziert und gemeinsam Lösungen entwickelt. Es werden für umwelt.info Projektstrukturen geschaffen, die einen engen Austausch ermöglichen sollen – z. B. ein Arbeitskreis datenhaltender Stellen. Gleichzeitig bringt sich das Projektteam in bestehende Netzwerke ein, darunter Bund-Länder-Initiativen der Umweltverwaltung.“


Das Umweltbundesamt informiert auf einer eigenen Seite zum Projekt.