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„mein NOW“ wird zum zentralen Onlineportal für berufliche Weiterbildung

Berufliche Weiterbildung wird immer wichtiger – weil sich Anforderungen ändern und Fachkräfte gefragt sind. Mit dem Portal „mein NOW“ schafft die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Überblick über die vielfältigen Angebote. Der Beirat Digitalstrategie Deutschland hat sich am 15.12.2023 die laufende Entwicklungsarbeit angeschaut.

Warum braucht es ein Onlineportal für berufliche Weiterbildung? 

Hilmar Schmitz begann seine Ausbildung bei der Firma ABC Flachstahl, als die Computerbildschirme noch monochrom statt farbig waren. Seitdem hat sich die Technologie rasant weiterentwickelt und Schmitz versucht Schritt zu halten. Er will noch ein paar Jahre arbeiten und ABC Flachstahl benötigt seine Erfahrung dringend. Nun steht der nächste Technologiesprung an: Schmitz und seine Kolleginnen und Kollegen sollen bald mit Augmented-Reality-Brillen an den Maschinen arbeiten. Der Mitarbeiter hat viele Fragen und sein Arbeitgeber längst nicht alle Antworten. 

Hilmar Schmitz und die ABC Flachstahl gibt es nicht wirklich, doch derartige Situationen sind typisch: Firmen brauchen fitte Fachkräfte und diese Kräfte müssen ihr Wissen regelmäßig auf den neuesten Stand bringen. Hierfür gibt es Angebote und Fördermöglichkeiten, doch eine zentrale digitale Übersicht fehlt: Wo kann sich jemand wie Hilmar Schmitz weiterbilden? Wer unterstützt seinen Arbeitgeber – auch angesichts der Digitalisierung – bei den komplexen Aufgaben in der beruflichen Bildung? Um diese Fragen zu beantworten, startet die Bundesregierung das Nationale Onlineportal für berufliche Weiterbildung, kurz: „mein NOW“. 

Was soll das Portal „mein NOW“ bieten? 

Das Portal soll der zentrale Einstiegspunkt im Internet rund um die berufliche Weiterbildung werden. Es richtet sich sowohl an Weiterbildungsinteressierte als auch an Unternehmen. „Mein NOW“ bietet Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern übersichtlich aufbereitete Informationen. Bei „mein NOW“ werden Inhalte und Angebote zu den Bereichen Berufs- und Brancheninformationen, Tools zur Identifizierung von Weiterbildungsbedarfen, Förderungen der beruflichen Weiterbildungen, Beratungsangebote und Weiterbildungsangebote von Partnerinnen und Partnern, wie den Bundesländern, gleichwertig und verständlich dargestellt.  

Wer betreibt „mein NOW“ und wer wird es nutzen? 

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat das Projekt im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie angestoßen und gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit als Leuchtturmprojekt in die Digitalstrategie Deutschland eingebracht. Im Haushalt des BMAS sind 70 Millionen Euro für „mein NOW“ vorgesehen, die Umsetzung übernimmt die Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie nutzt dabei modernste Technologien und die IT-Expertise des Hauses. 

Die Zielgruppe ist riesig: Rund 46 Millionen Erwerbstätige und 2,6 Millionen Arbeitslose sowie 3,4 Millionen Unternehmen gab es Ende 2023 in Deutschland. Zur Zielgruppe von „mein NOW“ gehören auch die Anbieterinnen und Anbieter von Weiterbildungen, die über das Portal Interessierte für ihre Kurse und Qualifizierungen finden wollen. 

Wie weit fortgeschritten ist die Arbeit an „mein NOW“?  

Das Portal „mein NOW“ steht den Nutzenden seit Anfang 2024 hier zur Verfügung. Es wird im laufenden Betrieb weiterentwickelt. Nach mehreren Ausbaustufen soll das Entwicklungsprojekt bis Ende 2024 abgeschlossen sein. Danach soll die BA „mein NOW“ dauerhaft betreiben. Dieses Ziel ist auch im Koalitionsvertrag vereinbart. 

Darüber hinaus und verzahnt mit „mein NOW“ entsteht „Mein Bildungsraum“ (angekündigt als Nationale Bildungsplattform) unter der Regie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Mit „Mein Bildungsraum“ schafft das BMBF die nötigen technischen Voraussetzungen für eine nahtlose digitale Lernreise – von der Grundschule bis ins hohe Alter. Ziel ist, dass sich „mein NOW“ als das zentrale Online-Eingangsportal für berufliche Weiterbildung in „Mein Bildungsraum“ etabliert.  

Welche Herausforderungen gibt es bei der Entwicklung von „mein NOW“? 

Berufliche Weiterbildung ist ein weites Feld. Bund, Länder, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und die BA sind beteiligt und bilden ein verzweigtes Netz aus Stakeholdern und Partnern. Hier sind viele Abstimmungsprozesse erforderlich. Das Interesse an einem digitalen Eingangsportal ist jedoch erfreulicherweise groß, denn alle erhoffen sich, ihre Fördermöglichkeiten und Initiativen bekannter zu machen oder Weiterbildungsangebote besser auffinden zu können. 

Welche Hinweise hat der Beirat und wie reagiert das BMAS? 

  • Beirat sagt: „Die Entwicklung und der Betrieb der Plattform ‚mein NOW‘ durch die Bundesagentur für Arbeit sind wichtige Erfolgsbedingungen. Das derzeit noch sehr eingeschränkte Angebot muss qualitativ und quantitativ erweitert werden, um für Nutzende attraktiv zu sein. Die Plattform muss sich daran messen lassen, inwiefern sie Nutzende bei wachsendem Informationsangebot ansprechen und gewinnen kann.“ 

    Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) antwortet: „Seit 1. Januar 2024 ist die erste Version von ‚mein NOW‘ online. Bis Ende 2024 folgen weitere Ausbaustufen mit neuen Funktionalitäten: zum Beispiel die Anbindung zusätzlicher Weiterbildungsdatenbanken, Such- und Filtereinstellungen für Beratungsangebote, ein Anliegen-Check und eine Erweiterung der teilautomatisierten Qualitätssicherung der Weiterbildungsangebote. Um den Nutzenden ein bestmögliches Angebot bereitzustellen, wird kontinuierlich Feedback erhoben und das Portal entsprechend angepasst. Eine Marketingkampagne soll die Reichweite steigern.“  

  • Beirat sagt: „Als sehr positiv wird bewertet, dass sich die Entwicklung von ‚mein NOW‘ an den Bedürfnissen der Nutzenden sowie der Arbeitgebenden orientiert. Wichtig wird auch sein, dass das Beratungspersonal bei Arbeitsagenturen und Jobcentern für die Nutzung der Plattform geschult wird, um sie selbst für die Vermittlung zu nutzen bzw. Weiterbildungswillige auf das Angebot aufmerksam machen zu können.“ 

    BMAS antwortet: „Damit die Mitarbeitenden der Arbeitsagenturen und gemeinsamen Einrichtungen (Jobcenter) zu ‚mein NOW‘ sprechfähig sind, werden Informationsmaterialien und Arbeitshilfen zum Selbststudium, sowie Marketing- und Pressematerialien bereitgestellt. Im Feedback-Format ‚Praktiker*innen-Runde‘ werden Beratungs- und Integrationsfachkräfte bereits von Beginn an in die Produktentwicklung einbezogen und können als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren agieren.“  

  • Beirat sagt: „Der Erfolg von ‚mein NOW‘ hängt vor allem von einer klaren Struktur, der Nutzerfreundlichkeit und einer effektiven Kommunikation ab. Insbesondere sollte sich die Plattform daran messen lassen, inwiefern bisher unterrepräsentierte Gruppen an Weiterbildungen partizipieren können. Eine systematische Verzahnung insbesondere mit den Entwicklungen des BMBF (‚Mein Bildungsraum‘) ist unabdingbar.“ 

    BMAS antwortet: „Der digitale niedrigschwellige Ansatz von ‚mein NOW‘ bietet auch gezielt Gruppen mit vergleichsweise geringerer Weiterbildungsbeteiligung einen Zugang. Dafür wird seit Projektbeginn kontinuierlich Feedback von Nutzenden erhoben. Gemeinsames Ziel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit ist, dass sich ‚mein NOW‘ als das zentrale Eingangsportal für die berufliche Weiterbildung in der digitalen bildungsbereichsübergreifenden Vernetzungsinfrastruktur etabliert.“