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Ist das Ökosystem für Mobilitätsdaten schon auf dem Weg?

Alle Daten zum Verkehr in Deutschland zugänglich und nutzbar machen – das ist der Gedanke hinter dem Ökosystem für Mobilitätsdaten. Der Beirat Digitalstrategie Deutschland diskutierte am 20. Januar 2023 über das Projekt. Neben Programmier- ist auch noch Überzeugungsarbeit notwendig.

Wie reise ich bequem von der Schwäbischen Alb nach Sassnitz? Wie kommen meine Waren effizient von Frankfurt (Main) nach Frankfurt (Oder)? Wer diese beiden Fragen heute beantworten will, nutzt in der Regel mehrere Internetseiten und Apps, telefoniert herum – und lässt sich am Ende womöglich Kostenangebote auf einem Blatt Papier schicken.

Weshalb so kompliziert? Meistens, weil Informationen an diversen Orten liegen und schwer zugänglich sind. Die Bundesregierung strebt deshalb an, Informationen rund um die Fortbewegung von Menschen und Gütern besser zugänglich zu machen: ein Ökosystem für Mobilitätsdaten. Das Leuchtturmprojekt der Digitalstrategie soll eine Grundlage bilden für effizientere Mobilität, neue digitale Anwendungen und innovative Geschäftsmodelle.

Was genau ist das Ökosystem für Mobilitätsdaten?

Es ist die technische Basis, die alle Facetten des Teilens von digitalen Informationen in Deutschland zur Mobilität unterstützt. Die Grundlage hierfür bieten zwei Dateninfrastrukturen, die bereits in Betrieb sind:

  • Die Mobilithek ist der nationale Zugangspunkt für Mobilitätsdaten. Sie macht vorrangig jene Daten verfügbar, die offen vorliegen oder per Gesetz bereitzustellen sind. Ihr Angebot ist vielfältig: So stellt ein Landkreis etwa Standorte von E-Bike-Ladestationen zur Verfügung oder ein Verkehrsverbund seine Fahrplandaten. Die Mobilithek ist ein kostenfreies staatliches Angebot, das durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr betrieben wird, unterstützt von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

  • Der Mobility Data Space (MDS) ist ein Angebot zum Teilen und Handeln von Daten, die nicht öffentlich verfügbar sind. Er ist privatwirtschaftlich und bis Ende 2024 durch den Bund mitfinanziert. Im MDS können Unternehmen ihre Mobilitätsdaten unter Wahrung der Datenhoheit sicher und transparent teilen. Ein Autohersteller etwa bietet anonymisierte Parkdaten seiner Fahrzeuge an – für Parkplatzsuche und Parkraumplanung. Für alle Teilnehmenden gelten im Datenraum einheitliche Nutzungsbedingungen und eine Software, genannt Konnektor, garantiert das sichere Einliefern und Abnehmen von Daten.

Künftig werden Mobilithek und MDS verknüpft und schaffen damit die Grundlage für ein umfassendes Ökosystem für Mobilitätsdaten. So wird eine digitale Verkehrsplanung vom Start bis zum Ziel möglich. Denn nur mit einer breiten Datenbasis und einfachem Datenzugriff verbessert sich der Verkehrsfluss, erhöht sich die Verkehrssicherheit, lassen sich Treibhausgase reduzieren und der Komfort für Verkehrsteilnehmende steigern.

Wann kommt das Mobilitätsdaten-Ökosystem?

Es wächst aktuell Schritt für Schritt. Ende Juni 2023 sollen erste Daten aus der Mobilithek über den Konnektor auch in den MDS fließen können. Zunächst geht es um sogenannte offene statische Daten – also feststehende Informationen wie die Länge des Radwegnetzes in München im Jahr 2022. Dynamische Daten in Echtzeit folgen bis Mitte Dezember 2023, das können beispielsweise Live-Informationen zur Auslastung von E-Auto-Ladestationen sein. Die Projektorganisation wurde aufgesetzt, und es gibt wöchentliche Meetings und regelmäßige Fortschrittsberichte.

Für 2024 ist geplant, den Datenaustausch mit individuellen Lizenzvereinbarungen von einem Datenraum zum anderen zu ermöglichen. Langfristig ist geplant, den MDS auch mit anderen Datenräumen zu verknüpfen, etwa aus den Bereichen Gesundheit oder Kultur, sowie den europaweiten Datenfluss zu unterstützen. Denn Mobilität endet nicht an Landesgrenzen.

Welche Hürden gibt es auf dem Weg?

Die anstehenden Schritte sind technisch, organisatorisch und auch rechtlich anspruchsvoll. Es gibt viele Beteiligte, zahlreiche Detailfragen und immer wieder juristische Aspekte zu klären. Denn: Das Ökosystem für Mobilitätsdaten soll nützlich sein, umfangreich und vor allem sicher.

Eine große Herausforderung besteht darin, eine Kultur des Datenteilens zu etablieren – also mehr Offenheit, mit Daten zu handeln und Daten auszutauschen. Die Bundesregierung sieht darin ein enormes Potenzial für teilnehmende Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes. Dennoch ist zu beobachten, dass die Bereitschaft zum Datenteilen deutlich wachsen muss. Oft werden die eigenen Daten noch zu wenig geteilt, weil Bedenken bestehen, dass Wissen in falsche Hände gerät.

Was denkt der Beirat - und wie reagiert das BMDV?

  • Beirat sagt: „Das Thema Mobilitätsdaten ist nicht neu und muss in den nächsten Jahren endlich vorankommen. Mit der Mobilithek und dem Mobility Data Space verfolgt das BMDV zwei Vorhaben, um geschlossene Datensilos aufzubrechen und ein wirkliches Ökosystem für Mobilitätsdaten zu schaffen. Bei dem Vorhaben müssen allerdings die Ziele nachgeschärft werden, die bis 2025 erreicht werden sollen. Es braucht zudem eine Priorisierung der Ziele."

    Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) antwortet: „Wir haben vor, eine Evaluierung von Mobilithek und Mobility Data Space durchzuführen, in deren Rahmen wir diese Zielausrichtung aufnehmen können. Wir treten gerne in den Dialog mit dem Beirat, um besser messbare und priorisierte Ziele herauszuarbeiten."

  • Beirat: „Um erfolgreich zu sein, müssen noch mehr Daten, besonders von den staatlichen Organisationen, und auch von der Deutschen Bahn, zur Verfügung gestellt werden. Dazu ist ein neues Mindset zur Bereitschaft Daten zu teilen bei allen Beteiligten notwendig. Hier sollten staatliche Stellen Vorreiter sein und Ideen entwickeln, wie das Datenteilen vorangebracht werden kann." 

    BMDV: „Vollständige Übereinstimmung. Das Mindset spielt eine entscheidende Rolle. Hätten wir eine größere Bereitschaft zum Daten teilen – bei staatlichen aber auch privaten Organisationen, wären regulatorische Eingriffe, wie sie derzeit europäisch und national diskutiert werden, nicht nötig. Den Dialog mit den Akteuren setzen wir in diesem Sinne fort."

  • Beirat: „Es liegt aktuell noch zu wenig Augenmerk auf der Datenqualität. Stellen, die Daten bereitstellen, insbesondere auf kommunaler Ebene, brauchen mehr Hilfestellungen und einfachere Prozedere, um Daten strukturiert und standardisiert zur Verfügung zu stellen. Sind die Daten künftig standardisiert verfügbar, kann ein großer Mehrwert für die Allgemeinheit, für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger und für Unternehmen geschaffen werden. Hierzu ist aber noch ein weiter Weg zu gehen."

    BMDV: „Ja, eine bessere Datenqualität zu erreichen, ist ein wichtiges Ziel. Mit den Ländern sind wir regelmäßig im Dialog und thematisieren auch die Verbesserung der Datenbereitstellung. Wir sind für Anregungen aus dem Beirat zur Standardisierung und Einrichtung institutionalisierter Strukturen insbesondere mit den Kommunen offen."